Sisal – Ein natürlicher Rohstoff unter der Lupe

Als Sisal wird die Faser der Sisal-Agave Pflanze bezeichnet. Die Sisalfaser wird erst seit dem 19. Jahrhundert eingesetzt und gehört, trotz eines Rückgangs, zu einer der weltweit wichtigsten Naturfasern.

Der Name der Faser stammt von der mexikanischen Hafenstadt Sisal, aus der die Sisalfaser ursprünglich exportiert wurde. In diesem Artikel lernst du, was die Sisalfaser auszeichnet, und wo sie im Alltag ihren Platz gefunden hat (oder noch finden wird).

Herkunft und Verbreitung

Sisal Pflanze

Die Agave, aus der die Sisalfaser gewonnen wird, stammt ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Sie gedeiht am besten auf trockenen, kargen Böden. Die Pflanze braucht daher weder Pflanzenschutzmittel noch übermässig Dünger oder Wasser. Während die Produktion der Faser auch heute noch hauptsächlich in Süd- und Mittelamerika stattfindet, gibt es auch kleinere Produktionen in Spanien und Portugal.

LandTonnen
Brasilien247’558
Tansania27’800
Mexiko26’636
Kenia25’000
Kolumbien21’445
China20’000
Madagaskar17’000
Kuba11’730
Haiti5’550
Nicaragua4’350
Sisalproduktion nach Land, Top 10

Eigenschaften der Sisalfaser

Die Sisal-Faser ist bis ca. 100 cm lang und ist von Natur aus weisslich. Daher lässt sie sich optimal färben. Sisalprodukte finden sich daher sowohl in den typischen braun/gelben Naturtönen als auch in leuchtenden Farben.

Der Zellulosegehalt von Sisal liegt zwischen 55 und 65%, ergänzt um 10-15% Hemicellulose. Dazu sind noch zusätzlich 10 – 20 % Lignin und 2-4% Pekin. Dadurch ist die Faser härter und gröber, aber auch ausgesprochen zäh und zugfest (1’830.12 cN/Tex). Im Vergleich dazu: Baumwolle hat eine Zugfestigkeit von 15-55 cN/tex.

Kleine Erklärung zu den verwendeten Einheiten: cN = Zentinewton. Das Tex (Einheitenzeichen: tex) ist in Deutschland und der Schweiz gesetzliche Einheit für die Angabe der längenbezogenen Masse von textilen Fasern und Garnen, also nicht allgemein für Quotienten der Form Masse durch Länge zulässig. 1 tex entspricht 1 Gramm pro 1000 Meter.

Sisal ist statisch neutral und daher sehr gut als Teppich in EDV-Räume geeignet. Vorsicht ist jedoch vor Rollen von Bürostühlen geboten. Ein Schutz ist dort notwendig, sonst ist der Teppich bald futsch.

Produktion

Die Blätter der Sisalpflanze sind ca. 2 Meter lang und ca. 1 kg schwer. Die Blätter werden am Ansatz abgeschnitten und gebündelt, bevor sie zum Faseraufschluss kommen.

Der Gesamtanteil der trockenen Faser am Gesamtgewicht der frischen Blätter beträgt 4 bis 7 %. Im Faseraufschluss werden sie vom eigentlichen Blattgewebe getrennt. Dies geschieht meistens in grossen Maschinen. Nach dem Faseraufschluss werden diese nochmals 8-12 h im Wasser eingeweicht, um Pektin und Chlorophyll auszuwaschen.

Im letzten Schritt wird die Faser nach ihrer Qualität beurteilt, dabei spielt die Farbe und die Rauheit eine Rolle. Zudem werden Fasern nach ihrer Länge gekennzeichnet.

Für die Weiterverarbeitung werden die einzelnen Fasern zu kleinen Schnüren und schlussendlich zu dickeren Fasern verbunden.

Einsatzmöglichkeiten

Sisal ist vielseitig einsetzbar. Dazu gehören unter anderem die Klassiker, wie sie auch bei uns im Shop zu finden sind:

Dartscheibe

Körbe und Möbel

Sisal weist auch Wärmedämmeigenschaften auf. Allerdings konnte ich keine entsprechenden handfesten Beispiele finden.

Auch gibt es Versuche von Sisal und Zement als Verbundwerkstoffe. Ziel ist es, das sehr schädliche Asbest zu ersetzen.

Die Faser wird nicht für Textilien verwendet, aber es gibt auch hier Bemühungen, die Faser im Verbund mit anderen Fasern auch für Textilien zu nützen.

Wie nachhaltig ist Sisal?

Laut den Produktionsrichtlinien der mexikanischen Regierung ist Sisal eine pflegeleichte Pflanze, was sich positiv auf die Nachhaltigkeit auswirkt:

  • Es ist eine jährliche Niederschlagsmenge von 600 bis 1500 mm notwendig (zum Vergleich, die jährliche Niederschlagsmenge in Bern beträgt im Durchschnitt 1174 mm).
  • Anforderungen an den Boden sind relativ gering und die Pflanze gedeiht praktisch auf jedem Boden.
  • Sisal ist ein umweltfreundliches Gewächs, bei dessen Anbau fast keine Düngemittel verwendet werden. Wenn Sisal auf neuem Land angebaut wird, ist Düngung in der Regel unnötig. Auf “altem” Land wird in der Regel Dünger eingesetzt. Harnstoff, Kalk-Ammoniumnitrat (LAN) und Superphosphat sind einige der chemischen Nährstoffe, die für die Sisaldüngung verwendet werden.
  • Es wird keine Bewässerung für die Kultur benötigt, da die Pflanze trockenresistent ist.
  • Für die Verarbeitung zu Sisalfaser wird allerdings relativ viel Wasser verwendet: pro Kilogramm fertige Faser wird 100 l Wasser benötigt. Ist allerdings nichts im Vergleich zu Baumwolle. Zur Produktion von 1 kg Baumwolle werden 11’000 Liter Wasser benötigt (Verarbeitung und Bewässerung). Dieser Wert schwankt daher auch je nach Land.
  • Sisal ist eine umweltfreundliche Faser, bei deren Anbau fast keine Pestizide verwendet werden, da sie widerstandsfähig gegen Krankheiten ist.

Dass die Pflanze wenig Wasser braucht und relativ resistent gegen Schädlinge ist, ist schonmal ein Pluspunkt. Dem gegenüber steht jedoch der relativ weite Transportweg (meistens aus Brasilien), was für die CO2 Bilanz massiv ins Gewicht fällt. Wer es daher wirklich nachhaltig will, der achtet darauf, dass er Sisal aus Spanien oder Portugal kauft.

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