Foto von vier Frauen bei einem Workshop

Umweltbewusstsein und Ordnungsliebe unser Interview mit Erdfairliebe

Hallo Corinne, du verbindest in deiner Arbeit Umweltbewusstsein und Ordnungsliebe. Als wir das erste Mal davon gelesen haben, waren wir sehr neugierig. Kannst du uns etwas mehr darüber erzählen? Wie passen die beiden Themenfelder zusammen?

Hallo liebes einfachweniger-Team, erst einmal danke, dass ich mich und meine Arbeit hier vorstellen darf. 

Umweltbewusstsein wird durch die offensichtlichen Klimaveränderungen ein immer grösseres Thema und zwar nicht nur für die Industrie und die Politik, sondern auch in den Privathaushalten. Die Nachfrage nach langlebigeren Haushalts- und Kosmetikprodukten, ökologischen Waschmitteln und tierleidfreiem Essen steigt merklich. Das zeigt auch das Angebot der Onlineshops und Supermärkte. Immer mehr Menschen hinterfragen aktiv ihr Konsumverhalten und werden sich der bisherigen Ressourcenverschwendung im Allgemeinen bewusst. 

Doch was tun, wenn sich im Verlauf der Jahre zuhause bereits viele Dinge angesammelt haben? Manche Gegenstände wurden bestimmt schon mehrfach gekauft, da die vorherigen verlegt, zu gut versorgt oder vergessen wurden. Was sich viele nicht bewusst sind: Die daraus resultierenden Doppelkäufe sorgen nicht nur für Unordnung, sondern eben auch für Ressourcenverschwendung.

Mit meiner Arbeit möchte ich das Zuhause der Leute „in Ordnung bringen“ und ihnen zeigen, welche positiven Effekte Ordnung und Reduzierung auf die Umwelt, die Nachwelt und die eigene Gesundheit haben.

Wie bist du auf die Idee gekommen für Erdfairliebe?

Hier muss ich etwas weiter ausholen, da mehrere Faktoren dazu beitrugen. Meine erste Berufsausbildung absolvierte ich als Detailhandelsfachfrau bei Coop. Obwohl sich der Supermarktriese schon im Jahr 2009 den Begriff „Nachhaltigkeit“ gross auf die Fahne geschrieben hatte, erlebte ich jeden Tag, wie viele Lebensmittel in einem verhältnismässig kleinen Laden weggeworfen wurden, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war oder die Frischprodukte nicht mehr verkaufsfördernd aussahen. Bereits zu dieser Zeit begann ich Leute im privaten Umfeld dafür zu sensibilisieren, dass „mindestens haltbar bis“ nicht mit „tödlich ab“ gleichzusetzen ist. Um das zu beweisen, ass ich mal ein Naturjoghurt, welches schon seit sechs Monaten abgelaufen war. Und siehe da, ich hatte keinerlei Beschwerden und lebe immer noch. 😉

Nach vier Jahren bei Coop wanderte ich nach Deutschland aus. Während meines Lebens dort und nach meiner zweiten Berufsausbildung als Mediengestalterin versuchte ich meine „Keratosis Pilaris Rubra Faceii“ (Reibeisenhaut im Gesicht) behandeln zu lassen. Aus den vielen von Hautärzten verschriebenen Cremes und Salben resultierte eine immer heftiger werdende Gürtelrose im Gesicht, auch „Gesichtsrose“ genannt. Meine Gesichtshaut war rot und übersät mit kleinen, juckenden und schmerzhaften Pusteln. Die Hautbarriere war zerstört und es sah über Monate hinweg einfach furchtbar aus. Der einzige Weg zur Besserung bestand aus kleinen Dosen Antibiotika und dem wochenlangen Weglassen sämtlicher Cremes und Make-up.

Von da an schwor ich mir, dass ich mehr auf mich und meinen Körper hören und ab sofort alles Unnatürliche aus meinem Kosmetik-, Wasch- und Putzmittelschrank verbannen möchte. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber das Buch „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie“ half mir sehr dabei und ich merkte, wie ich Gefallen am Selbermachen fand. Zudem informierte ich mich über die ungeheuren Auswirkungen von unsachgerechter Entsorgung von Müll in der Natur, Mikroplastik im Meer, Anbau von Lebensmitteln und die Haltung von („Nutz“-)Tieren. Diese Themen liessen mich teilweise schon sehr an der Menschheit zweifeln, aber bestärkten mich auch in meinem Vorhaben, unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Einige Jahre später, zurück in der Schweiz und auf der Suche nach neuen Herausforderungen, stiess ich auf die Ausbildung zum zertifizierten Ordnungscoach. Als heimliche Ordnungsfanatikerin war ich sofort Feuer und Flamme und nahm daran teil. Mein erworbenes Wissen wurde zuhause, bei der Familie und auf der Arbeit sogleich getestet und für nützlich befunden. Etwas später ergab sich per Zufall noch die Möglichkeit bei Sauberkasten (deutsche Firma für DIY-Wasch- und Putzmittel) an einem Workshop für Workshopleiter*innen teilzunehmen, was ich auch mit Begeisterung tat.

Mithilfe dieser Erlebnisse fand ich meine Berufung, nämlich die Kombination aus Ordnungscoach und Kursleiterin für selbstgemachte Hausmittel. Da es diese allerdings nicht als normale Jobs gibt, wagte ich den Schritt zur Selbständigkeit, um meinen Traum verwirklichen zu können.

 Die Idee zum Namen „Erdfairliebe“ kam mir mal beim Einschlafen. Ich überlegte, wie ich meine Schwäche für Erdbeeren, die privat mein Markenzeichen sind, mit Umweltbewusstsein zu einem prägnanten Namen verbinden könnte. So entstand aus Erdbeerliebe das Wortspiel „Erdfairliebe“.

Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit, daher ist es für viele Menschen schwer vorstellbar, auch noch selbst Reinigungsmittel oder Kosmetika herzustellen. Wie viel Zeit nimmt das eigentlich in Anspruch und wie kann ich das am besten lernen?

Überlege, was dir wichtiger ist: Schneller Konsum und das Versprechen von millionenschweren Unternehmen oder selbstgemachte, funktionierende Produkte, deren Inhaltsstoffe du ganz genau kennst. Du tust nicht nur deiner Gesundheit etwas Gutes, sondern du kannst auch stolz auf dich sein, etwas Nützliches geschaffen zu haben.

Bei Reinigungsmitteln spielen Zutaten wie Natron, Essig, Zitronensäure, Waschsoda und Kernseife grosse Rollen. Bei der Kosmetik sind es oftmals Sheabutter, Kokosöl, Natron, Kernseife und Stärke (z.B. Maizena). Wie man sieht, überschneiden sich manche Zutaten und bestenfalls verwendet man sie sowieso schon fürs Kochen und hat sie darum immer an Lager. Die Recherche und das Besorgen der nicht-alltäglichen Zutaten kann etwas dauern, aber sobald man die Grundzutaten im Haus hat, dauert das Herstellen meistens nur wenige Minuten. Eine Ausnahme wäre der Orangenreiniger, bei dem die Orangenschalen ein paar Wochen im Essig eingelegt werden müssen.

Am einfachsten lernt man die Rezepte und Vorgehensweisen aus Büchern oder Videos. Dort erhält man wertvolle Tipps zur Herstellung, Anwendung oder Angaben zu alternativen Zutaten. Noch besser eignen sich Do-It-Yourself-Kurse, da du dort noch von den Erfahrungen und Tipps der Kursleiter*innen und Teilnehmer*innen profitieren kannst.

Veränderungen im Alltag sind ja meist gar nicht so einfach umzusetzen. Welche Erfahrungen hast du dazu gemacht im Rahmen deines Ordnungs-Coachings, die du anbietest?

Es braucht klare Ziele. Diese müssen nicht riesig sein. Viel wichtiger ist, dass du sie irgendwo visualisierst (notieren oder aufzeichnen), wo du sie täglich siehst und bei erfolgreichem Erledigen abhaken kannst. Um die Motivation auf dem Weg zu grossen Zielen nicht zu verlieren, kannst du sie natürlich auch in mehrere kleinere Meilensteine aufteilen. 

Zum Erreichen der Ziele ist das Einführen von Routinen am einfachsten. Erstelle einen Routineplan mit schnell zu erledigenden Aufgaben. Du fängst beispielsweise damit an, nach dem Zähneputzen und Fertigmachen im Bad alle benutzten Utensilien wieder an ihren Platz zurückzulegen und mit einem bereitgelegten Lappen kurz über die Armaturen zu wischen. Das dauert wenige Sekunden und erspart dir beim wöchentlichen Grossputz das mühsame Aufräumen und Wegmachen von Kalkflecken. Nach ein paar Tagen machst du das schon ganz automatisch. 

Du kannst dir auch die Regel aufstellen, dass du alles sofort erledigst, was nicht länger als zwei Minuten dauert. Vorgänge wie das Einräumen des Geschirrspülers, Wäsche direkt in den Wäschekorb (statt auf den Boden) werfen und Einkäufe versorgen, werden sofort erledigt. So musst du dich später nicht mehr damit beschäftigen oder dich darüber ärgern.

Manchen Menschen fällt es bei grossen Aufräumprojekten leichter, wenn sie sich zwei Wochen lang jeden Tag 30 Minuten Zeit zum Aufräumen nehmen, anstatt an einem Sonntag sieben Stunden dafür opfern zu müssen.

Egal wie du es machst, Hauptsache du findest Wege, die dir das Erreichen deiner Ziele sichern.

Hast du ein paar Tipps für Familien mit kleinen Kindern für mehr Ordnung?

Aufräumen soll Spass machen und sich für die Kinder nicht nach Bestrafung anfühlen. Wo gehobelt wird, fallen Späne, oder anders gesagt, wo gespielt wird, bleibt auch mal etwas liegen. Aber Kinder sollten beim Wiederherstellen der Ordnung auf jeden Fall mit einbezogen werden. Hier ein paar Tricks und Vorschläge, wie du Kinder dazu motivieren kannst:

  • Spielboxen: Kindern fällt es leichter aufzuräumen, wenn sie einen festen Aufbewahrungsort für ihre Spielsachen haben. Bei mehreren Kindern beschriftest du die Boxen am besten. So können sie nach dem Spielen alles einfach wieder reinlegen.
  • Um Hilfe bitten: Statt „Räum jetzt dein Zimmer auf!“ zu befehlen, kannst du dem Kind auch sagen „Du wärst mir eine grosse Hilfe, wenn du deine Sachen noch schnell wegräumst.“ Das Kind fühlt sich dadurch verantwortungsvoller, erwachsener und hilft lieber mit.
  • Rollentausch: Schlag deinem Kind vor, die Rollen zu tauschen. Du räumst das Kinderzimmer auf und das Kind dafür das Wohnzimmer, das Elternschlafzimmer, die Küche, den Keller, … dein Kind wird liebend gerne doch im eigenen Zimmer aufräumen.
  • Gegenleistung: Du kannst dein Kind auch mit einer Belohnung locken. Nachdem es sein Zimmer aufgeräumt hat, schaut ihr euch gemeinsam ein Bilderbuch an oder das Kind darf dich schminken (Spass garantiert!). Natürlich sollte das Versprechen auch eingehalten werden, ansonsten schadet das dem Vertrauen und die nächste Aufräumaktion wird schlimmstenfalls verweigert.
  • Wettrennen: Wer sein Zimmer oder seinen Bereich als erstes aufgeräumt hat, erhält den selbstgebastelten Aufräum-Superhelden-Wanderpokal. Alternativ darf es einen Vormittag lang über das Musikprogramm entscheiden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. 😉

Woher nimmst du deine Inspiration für nachhaltiges Zuhause und seit wann lebst du nachhaltig im Alltag?

Seit ich vor acht Jahren das erste Mal in eine eigene Wohnung gezogen bin, gibt es immer wieder Vorgänge, Gegenstände und Selbstverständlichkeiten im Haushalt, die ich beginne zu hinterfragen und zu optimieren. Dafür recherchiere ich dann in Büchern, im Internet oder ich hole mir Rat von den erfahrenen Familienmitgliedern. Dieses Wissen möchte ich natürlich nicht für mich behalten. Deswegen entstand auch der Instagram-Hashtag #HaushaltsHelden, unter dem ich regelmässig einfache und nützliche Tipps veröffentliche. Man findet sie übrigens auch auf meiner Website unter www.erdfairliebe.ch/haushalts-tipps

Wie kann man mit dir in Kontakt treten, wenn man mehr erfahren möchte?

Du kannst dich auf meiner Website www.erdfairliebe.ch über mich und meine Dienstleistungen informieren und mich per E-Mail oder Telefon kontaktieren. Über die Sozialen Medien Instagram, Facebook und LinkedIn teile ich regelmässig Tipps und Neuigkeiten mit. Du findest mich dort ebenfalls unter dem Namen „Erdfairliebe“. Ich freue mich über jede Nachricht und jedes Feedback.

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