Ein unternehmerisches Dilemma

Seit ein paar Tagen haben wir ein Gesichtsöl im Sortiment, das in Deutschland produziert wird. Anders als die konventionellen Öle, Cremes und Lotionen kommt es ganz ohne Konservierungsmittel, synthetische Duftstoffe, Paraffine und Silikone aus, die Haut und Umwelt schaden. Geliefert wird das Öl in Glas mit einem Korken, ganz ohne Plastik. Die Welt ist soweit in Ordnung.

Leider nicht.

Der Transport von Hamburg von unserem Lager bis zu deinem Briefkasten hat so seine Tücken: Das Paket wird hin- und hergereicht, es holpert, wird vielleicht sogar unsanft irgendwo fallen gelassen, gedreht und gewendet. Resultat: Winzige Mengen Öl haben sich irgendwie ihren Weg durch den Verschluss hindurch gesucht und gefunden. Das hat zu weniger schönen Ölflecken auf dem Etikett geführt, was natürlich berechtigterweise zu Reklamationen führte (wir haben die Flasche natürlich anstandslos ersetzt).

Die Ursachenforschung hat ergeben, dass dieses Problem mit einem Plastikverschluss behoben werden könnte (so eine kleine Plastikverschweissung über dem Deckel), was sehr häufig gemacht wird (z.B. die Flasche mit dem Olivenöl).

Und hier ist jetzt das Dilemma:

  • Wir wollen auf der einen Seite Produkte ohne Plastik vertreiben
  • Wir wollen 100% zufriedene Kunden durch 100% “intakte” Produkte

Hast du als Kunde soviel Verständnis, dass dir ein par Ölflecken auf dem Etikett egal sind? Würdest du eine ölverschmierte Flasche aus dem Regal nehmen? Wahrscheinlich nicht. Würdest du eine ölverschmierte Flasche deiner Frau als Geschenk übergeben? Definitiv nicht.

Würdest du es machen, wenn du weisst, dass das Produkt einwandfrei ist und der Grund für die “Unschönheiten” der Verzicht auf Plastik ist? Vielleicht.

Auf den Etiketten sind diese typischen sehr ungeliebten Ölflecken zu sehen.

Von Bananen mit braunen Flecken

Spinnen wir den Gedanken noch weiter: Bananen mit braunen Flecken. Joghurt, der einen Tag über dem Ablaufdatum ist, die Karotte, die zu gross ist. Heute vor einem Bioladen war eine Kiste voller Bananen mit einem Schild “gratis”. Grund: Sie hatten ein paar braune Flecken, waren innen aber absolut perfekt. Für den Verkauf sind sie aber nicht mehr geeignet.

Scheint pervers und doch bin auch ich genau gleich. Die Banane mit der braunen Stelle meide ich, denn schliesslich will ich für mein Geld das “richtige” Produkt.

Spinnen wir den Gedanken noch weiter, werfen wir viel zu viel weg, obwohl es noch funktioniert und seinen Zweck erfüllt. Angefangen beim Handy, Kleidern, einem neuen Fernseher, elektronische Gadgets ganz allgemein, irgendwelche Dekoartikel, Küchenutensilien: Wir sehen das nächste Bessere und müssen es haben oder es wird langweilig oder aber wir möchten uns einfach mal wieder etwas “Gutes” tun.

Warum schreibe ich das? Nun auf der einen Seite möchte ich auf dieses Dilemma hinweisen und auf der anderen Seite würde es mich mal interessieren, was du darüber denkst. Müssten wir Kunden einfach ein bisschen weniger pingelig sein?

9 Kommentare zu „Ein unternehmerisches Dilemma“

  1. Ich denke, dass ihr die Öle weiterhin ohne Plastik verschicken solltet. Ich, als ungeschickter Mensch, habe dieses Problem mit den Flecken spätistens nach dem zweiten Gebrauch. Daher stört es mich nicht, wenn das Öl schon so geliefert wird.
    Vielen Dank, nehmt ihr euch diesem Dilemma an und führt so einen tollen Shop.

    1. Hallo Broccolipirat,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Sei dir gewiss, dass du mit dem Problem nicht alleine auf der Welt bist 😀

  2. Danke für die Erinnerung. Ich möchte definitiv weniger pingelig sein!
    Habe bereits damit begonnen optisch unschönere Ware zu kaufen.

    Mit einem Erklärenden Hinweis würde ich das Öl definitiv trotzdem kaufen!????????????

    Beste Grüsse
    Lucy

    1. Hey Lucy,

      das ist genau die richtige Einstellung. Zwei, drei Menschen mehr wie du und wir müssen uns um die Eisbären keine Sorgen mehr machen 🙂

  3. Ich finde es unglaublich, was alles weggeworfen wird, weil es vermeintlich nicht den “Kundenwünschen” entspricht. Ich kaufe Bananen mit braunen Flecken, weil ich bei denen weiss, dass sie gut gereift und deshalb süss sind. Ich kaufe auch krumme Karotten oder Gurken (würde, wenn ich kein Gemüseabo vom Nachbarshof hätte). Und ich bin wahrlich keine zerowaste Queen. Ja, ich glaube, jeder müsste weniger pinggelig sein und sein Verhalten reflektieren. Das ist Arbeit und leider sind viele dazu nicht bereit, weil sie “ja viel arbeiten müssen” oder haben sonstige Ausreden. Ich glaube, vieles ist Bequemlichkeit und die heutige Gesellschaft, wo jede/-r denkt, er/sie hätte es verdient, nur das beste und das sofort zu haben.
    Wie wärs, das Öl-Fläschchen noch nicht zu etikettieren? Etikette und Kleber mitgeben? Nein, warte, Kleber brauchts ja nicht, kannst ja einen Schluck Milch nehmen, das hat doch jeder zuhause.
    Aber dann denke ich, wie ich das finden würde, wenn ein bestelltes Öl-Fläschchen ohne Etikett kommt, nur weil es die Firma nicht schafft, es “richtig” zu verpacken…?! Und dann noch glitschig… Und ich soll noch was tun (Eitkette aufkleben), hab doch Geld dafür ausgegeben. (Das denkt mein Hirn, das wohl so denkt wie viele andere).
    Etikette komplett weglassen und mit Glasmarkierern anschreiben wie bei der Firma “vom Fass”? Damit habt ihr immerhin kein Problem mit der Etikette mehr, aber das auslaufende Öltröpfchen bleibt. Ist logistisch/personell wahrscheinlich schwer umsetzbar, alles von Hand anzuschreiben.
    Hm, ich hab leider auch keine Idee. Ja, wir müssen alle pinggeliger sein, aber leider könnt ihr die Leute nicht erziehen, die sich nicht erziehen wollen. Eure Mission, denke ich, ist ja auch den 0815-nicht-Zerowastler anzusprechen mit euren Produkten, das führt zu eurem Spagat. Ich fänds gut, wenn ihr weiterhin kein Plastik verwendet.
    Spontan kommt mir noch in den Sinn, dass gewisse Weinflaschenhälse mit Wachs ummantelt sind statt mit Alu. Wie ist Wachs für die Umwelt und wie aufwändig wäre dieses Prozedere?

    1. Hi Barbara
      Danke für deinen Kommentar. Das mit dem Wachs könnte in der Tat eine Lösung sein, um zu Verhindern das kein einziges Tröpfchen Öl ausläuft. Umwelttechnisch ist es aber auf jeden Fall einen Mehraufwand -> bereits das Erwärmen des Wachses wird eine entsprechende Menge Energie benötigt. Eine Abklärung wäre es allemal wert.

  4. Alexandra Muheim

    Meine Meinung zum Verschluss und Ölflecken. Mich würde das nicht stören, denn beim gebrauch klekert man evt auch und dan hat es sowieso Ölflecken drauf. Und ja wir käufer müssen es einfach mal weniger heikel sein. Als es im Supermarkt so grosse Karotten gegeben hat weil das eigentlich Gastrokarotten sind oder gekrümte das war mir egal ich hab es sogar gefeiert auch mal so riiesen Karotten zu kaufen. Es ist schade das die Käufer sicht so heikel sind. Aber ich glaube diese Käufer kaufen dann auch nicht bewusst ein. Also weg mit dem Plastik und her mit den kleinen Ölflecken.????

  5. Geht mir auch so. Eigentlich möchte ich Abfall vermeiden, aber dann überlegt man doch zweimal bei etwas reiferen Bananen… Könnte man nicht einfach die ganze Etikette ölen? Dann sieht es gewollt aus? Oder den Verschluss mit etwas papierigem einwickeln?

  6. hallo, ihr dilämmer!
    eine metallkapsel gibt’s ja schon. das problem sollte eigentlich auch auf diesem weg gelöst werden können, wenn die dicht genug aufgeschraubt ist (es braucht dazu keine plastikeinlage in deckel).
    tipp von mir: macht eine hübsche traditionelle apotheker-tektur drauf (nur mit korken – bündig mit dem flaschenrand – und verschnürter tektur). könnte eine alternative sein. (ihr könnt die tektur natürlich auch zusätzlich um den blechverschluss machen). ist ein bisschen aufwendig vielleicht (handarbeit!), könnte aber weiterhelfen. vielleicht findet ihr ein foto im netz, damit ihr wisst, was ich meine. viel erfolg!

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