Virtuelles Wasser – Wieviel Wasser in scheinbar trockenen Produkten steckt

Dass eine Suppe Wasser benötigt ist klar. Dass auch beim Verzehr von Spaghetti, Gemüse und Früchten, Wasser anfällt, leuchtet ein. Spannend wird es jedoch bei Hosen, Papier oder einem Auto. Das Wasser steckt hier nicht im gekauften Produkt drin, wird aber für die Herstellung z.T. in grossen Mengen benötigt. Dieses Wasser nennt man auch “virtuelles Wasser”.

Hier eine kleine Übersicht, welche das unsichtbare, virtuelle Wasser ein bisschen sichtbarer macht.

ProduktVirtuelles WasserBemerkung
Kartoffeln290 Liter pro kgKann jedoch stark varieren -> lokale Kartoffeln bei etwa 130 l pro kg bis zu 400 l für 1 kg Frühkartoffeln aus Israel.
Ein Ei200 Liter pro EiVor allem das Futter für die Hühner schlägt zu Buche. Für 1 kg Weizen werden 1’3000 l Wasser benötigt.
Kaffe140 Liter pro Tasse1 kg Röstkaffee erfordert 21’000 l Wasser. Bei 7 kg Kaffe pro Tasse ergibt sich 140 Liter. Davon könnte man einige Gläser Wasser trinken.
Milch1’000 Liter pro LiterVor allem der Futterbedarf (Kraftfutter, sowie Gras) fällt ins Gewicht.
Bananen860 Liter pro kgDie Bananenpflanze benötigt sehr viel Wasser und wächst daher auch nur in regenreichen Regionen oder mit intensiver künstlicher Bewässerung.
Orangen560 Liter pro kgZitrusfrüchte sollten nur in den Wintermonaten konsumiert werden, ansonsten kommen die Früchte mit grosser Wahrscheinlichkeit aus Südafrika, wo der Anbau sehr wasserintensiv ist.
Mango1’800 Liter pro kgGrosse regionale Unterschiede.
Käse5’000 Liter pro kgSiehe Zeile 3. Für 1 kg Käse werden 10 Liter milch benötigt, wofür 10’000 Liter Wasser benötigt werden. Allerdings fällt bei der Käseproduktion auch noch Molke an, daher nur 5’000 Liter.
Hamburger2’400 Liter pro BurgerDer Löwenanteil des Wasserfussabdrucks entfällt auf das Rindfleisch, welches bei ca. 150 g einen Fussabdruck von ca. 2’200 l hat.
Chips1’040 Liter pro kgSo trocken sind die Chips gar nicht. Für 1 kg Kartoffeln werden lediglich 290 Liter Wasser benötigt.
Pizza1’260 Liter pro StckFür eine rund 750 g schwere Pizza Margerita fallen rund 1’260 l Wasser an. Dabei macht der Käse gut die Hälfte des Wasserbedarfs aus.
Rindfleisch15’500 Liter pro kgBis das Rind schlachtreif ist, vertilgt es etwa 1’300 kg Kraftfutter, 7’200 kg Raufutter (also Gras, Heu etc.) und trinkt etwa 24’000 Liter Wasser. Von den 15’500 l Wasser pro kg Rindfleisch entfallen somit 15’300 l auf das Futter.
Reis3’400 Liter pro kgWer schon einmal eine Reisplantage gesehen hat, weiss warum die Zahl relativ hoch ist. Allerdings entfällt ca. 1/3 des Wasserbedarfs von Reis auf das Schälen der Körner.
Schokolade1’700 Liter pro TafelEine Tafel = 100 g, also 17’000 l pro kg Schokolade.
Papier2’000 Liter pro kgEin einzelnes Din-A4-Blatt à 80 g/m2 (also das Papier, was in jedem Kopierer steckt) hat somit rund 10 l Wasserbedarf! Recyclingpapier beinhaltet dagegen nur gerade 20 l Wasser pro kg.
Jeans11’000 Liter pro Stck85% entfallen allein auf die Herstellung und Gewinnung der benötigten Baumwolle.
Leder16’600 Liter pro kgAnalog zum Rindfleisch. Zusätzlich muss das Leder noch gegerbt werden, daher der Bedarf noch höher. Problematisch sind hier auch die allfällig eingesetzten und nicht fachgerecht entsorgten Chemikalien.
Handy1’280 Liter pro StckEine sehr grobe Schätzung.
Velo5’000 LiterEine sehr grobe Schätzung.
Auto400’000 LiterEine sehr grobe Schätzung.
Computer20’000 LiterEine sehr grobe Schätzung.

Grafische Darstellung – virtuelles Wasser

Je komplizierter die Wertschöpfungskette ist, desto grösser der Anteil an virtuellem Wasser. Beispiel, das Ei. Die Wertschöpfungskette ist:

  • Körner -> Huhn -> Ei -> Essen

Oder Rindfleisch:

  • Gras, Körner -> Rind -> Rindfleisch -> Essen

Dagegen ist die Wertschöpfungskette bei einer Kartoffel sehr einfach:

  • Kartoffel -> Essen

Noch extremer ist es bei sehr komplexen Wertschöpfungsketten wie dem Auto oder einem Handy:

  • (seltene) Rohstoffe bergen -> Rohstoffe aufbereiten -> Einzelkomponenten machen -> Komponenten zusammenstellen -> Endprodukt zusammenstellen

Und dann gibt es gewisse Rohstoffe, welche per se einen hohen Anteil an virtuellem Wasser haben. Dazu zählt zum Beispiel Baumwolle. Schlussendlich kommt virtuelles Wasser in jedem Produkt vor, aber allein mit dem Wissen, gehst du jetzt (hoffentlich) ein bisschen bewusster durchs Leben.

Weiterführende Informationen

Die Webseite waterfootprint.org nimmt sich dem Thema sehr ausführlich an und bietet auch viele Hintergrundinformationen und wissenschaftliche Studien an.

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