Ist “Made in China” wirklich so schlimm fürs Klima?

Der eine oder andere Leser kennt meine kritischen Fragen bereits. Die Fragen sind oft unangenehm und eine scharfe Antwort ist vielleicht nicht möglich, aber genau deshalb möchte ich sie stellen. Ist “Made in China” wirklich immer automatisch die nicht nachhaltige Variante?

Spätestens seit Corona ist es wieder in, auf lokale Produkte zu achten. Natürlich versuchen wir das auch zu machen und bei einigen Dingen klappt es ganz gut, bei anderen Dingen ist es doch eher schwierig. Wir haben hier in der Schweiz schlicht keine Rohstoffe (zumindest werden sie nicht abgebaut). Weder Baumwolle, noch Lithium oder auch Erze. Auch Kaffee, Kakao oder Erdöl und viele weitere Rohstoffe, welche sich in vielen Alltagsgegenständen befinden, gibt es nicht aus der Schweiz.

Nehmen wir mal als Beispiel ein klassisches Baumwolle-T-Shirt. Es dürfte allen bekannt sein, dass die meisten Kleider aus China, Malaysia oder Bangladesch kommen. Schau dir dazu mal die Etikette an, falls du es nicht weisst. Interessant übrigens, beim nächsten Gang durch Migros, Coop oder Manor musst du mal im Non-Food Bereich (Spielzeuge, Küchen- und Haushaltsartikel) die Produkte anschauen: Grosser Teil ist “Made in China”. Es kommt nicht von ungefähr, dass China die Fabrik der Welt ist.

Wir wissen auch alle, dass die CO₂ Bilanz vor allem auch durch Transporte (vor allem Flugzeug aber auch Containerschiffe) massiv belastet werden. Das klassische Beispiel sind jeweils die Winterferien in Thailand. Diese eine Reise (nur der Flug wohlverstanden) übersteigt den CO₂ Fussabdruck, den wir eigentlich anstreben müssen, bereits um das 5-Fache!

Flug Zürich – Bangkok Retour

Was eh allen klar ist: Der Transport im Flugzeug ist nicht besonders grün und die Containerschiffe wohl auch nicht. Wenn das für Menschen gilt, dann sicher auch für Güter.

Der scheinbar logische Schluss daraus, um grüner zu werden, muss das T-Shirt lokal hergestellt werden. Kleiner Nebensatz: Das T-Shirt wird dann einfach fast unbezahlbar teuer, da unser BIP mit 80’000 $ das BIP von Bangladesch um das 40-fache übersteigt (ist knapp 2’000$).

Der Kunde kauft sein “Premium-T-Shirt”, welches 5x soviel kostet (ob es 5x so gut ist und 5x länger hält weiss ich nicht) und hat ein gutes Gewissen, da er etwas fürs Klima getan hat. Vielleicht wäre der höhere Preis gar nicht so schlecht, dann würden wir uns zweimal überlegen, ob das T-Shirt nach zweimal tragen bereits wieder in die Kleidersammlung muss.

Ist das lokale produzierte T-Shirt wirklich nachhaltiger?

Genau da bin ich mir nicht ganz sicher. Wer jetzt grosse Antworten erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ich stelle lediglich grosse Frage. Baumwolle wird in warmen Ländern produziert und gut 2/3 der Produktion kommt aus Indien und China, also Made in China ;-).

Baumwolle ist zu einem grossen Teil Made in China
Produktion von Baumwolle

Die Baumwolle wird in China und Indien gepflückt, wahrscheinlich verarbeitet und zu Stoff verarbeitet, um dann als Meterware nach Europa geschickt zu werden, wo sie schlussendlich verarbeitet wird.

Schlussendlich kommt das T-Shirt dennoch mit dem Flugzeug oder Schiff zu uns. Warum also ist das T-Shirt, welches hier in der Schweiz produziert wurde klimaneutraler? Gut, man könnte noch argumentieren, dass vielleicht der Schweizer Strom für den Betrieb von Maschinen grüner ist, weil er aus Wasserkraft und Solarenergie kommt anstatt aus Kohlekraftwerken.

Dagegen könnte man argumentieren, dass wenn die Meterware nach Europa geschickt wird, bei der Produktion Stoffreste anfallen; somit wurde Stoff transportiert, der schlussendlich gar nicht verwendet wird, was bei der Produktion nicht passiert wäre.

Es kann gut sein, dass ich allenfalls etwas übersehen habe, auch bin ich weder ein Experte auf diesem Thema noch habe ich tagelang recherchiert, deshalb würde ich mich freuen, wenn der eine oder andere Experte unter den Lesern seine Gedanken dazu äussern würde. Wird ein Produkt “grüner”, wenn die Rohstoffe beim Endkonsumenten verarbeitet werden oder ist das lediglich unser schlechtes Gewissen, welches wir balsamieren wollen?

Ist Made in China nun schlecht?

Ein mögliches Fazit daraus ist jedoch sofort ersichtlich: Nur auf das “Made in” zu achten greift viel zu kurz, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Und dass “Made in China” automatisch die weniger nachhaltige Variante müsste man mal genauer untersuchen. Die Frage kann ich somit nicht beantworten, aber ich hoffe es regt doch ein wenig zum Nachdenken an und zum bewussteren Konsumieren (oder Verzichten) an

Um zurück zum T-Shirt zu kommen. Es gibt auch noch andere Materialien ausser Baumwolle, z.B. Leine, Lyocell, Hanf und sicher noch weitere. Der eine oder andere Rohstoff wächst auch in unseren Breitengraden.

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