Zero Waste Weihnachten Titelbild

Zero Waste Weihnachten – festliche Müllvermeidung

Zero Waste Weihnachten – das hört sich an wie die Quadratur des Kreises. In Zeiten, in denen unkontrollierter Massenkonsum und pathologische Verpackungswut einen schmutzigen Pakt gegen Mutter Natur geschlossen haben, scheint es eher utopisch, gerade zum Fest der Geschenke Liebe die Müllflut eindämmen zu wollen. Und doch ist es möglich, ein nahezu Zero Waste Weihnachten zu feiern, wenn man mit alten Traditionen bricht und bereit ist, neue Wege zu gehen.

Nicht erst seitdem ich jedes Jahr an Heiligabend mit meinem 50 Kilogramm schweren Hund um die Überreste des Geschenkpapiers kämpfen muss, stehe ich mit der weihnachtlichen Müllflut auf Kriegsfuss. Schätzungen gehen davon aus, dass wir Europäer zu Weihnachten pro Person zwischen 20 und 30 Prozent mehr Müll produzieren.
Die Masse davon – wie sollte es anders sein – ist Verpackungsmüll. Angefangen von mit Plastik beschichtetem Geschenkpapier bis zu Tonnen von Plastiktüten, Folien und anderen Einwegartikeln.

Wenn du davon genauso genervt bist wie ich, bist du hier genau richtig. In diesem Artikel erfährst du jede Menge Tipps, wie du dein Weihnachten so gut wie möglich Zero Waste gestalten kannst.

Unter anderem geht es um:

  • selbstgemachte Deko
  • umweltfreundlicheres Einkaufen
  • alternative Geschenkideen und
  • alternative Verpackungsideen

Zero Waste Weihnachtsdekoration? – Natürlich schön.

Wer zur Zeit durch eine x-beliebige Innenstadt spaziert, muss hinsichtlich seiner Reiztoleranz schon ganz hart im Nehmen sein. An jeder Ecke blinkt und leuchtet es, Plastik-Weihnachtsmänner rappen für tanzende Plastik-Rentiere um die Wette und das permanente “Ho-Ho-Ho”, das von allen Richtungen auf einen einprasselt, macht selbst den friedliebendsten Menschen borderline-aggressiv.

Schaut man sich dann nach Weihnachtsdeko in den Läden um, wird einem schlecht. Plastik wohin das Auge blickt, wahlweise gepimpt mit diversen LED’s oder – noch schlimmer – versteckten Lautsprechern. Findet man dann doch etwas, was einen wenigstens entfernt noch ans Weihnachtsfest aus Kindertagen erinnert, werden Preise aufgerufen, die mit den finanziellen Möglichkeiten eines Normalverdieners nichts mehr zu tun haben. Eine simple Glaskugel für 40 Franken? Nicht mal, wenn die mundgeklöppelt wäre!

Natürliche Materialien sind kostenlos und fast überall zu finden

Wer sich an Weihnachten nicht dem Risiko eines Anfallsleidens aussetzen und auch bei der Deko so weit wie möglich auf Plastik und buntes Blinken verzichten möchte, der geht am besten raus in die Natur. Viele Sträucher sind im Herbst und Winter voll behangen mit leuchtend roten Beeren und Früchten. Wer sich davon einen Ast abschneidet und die Beeren trocknet, hat bereits sein erstes ganz natürliches Dekoelement. Auch bunte Blätter, die im Herbst von den Bäumen fallen, können getrocknet und beispielsweise in den Adventskranz eingearbeitet werden. Gleiches gilt für Tannenzapfen aller Art, Tannengrün oder – ein ganz neuer Trend – Eukalyptus. Den gibt es für wenige Taler im Blumenladen und er macht sich wirklich toll in einem Tischgesteck oder einem Kranz für die Haustür. Orangenscheiben verströmen nicht nur einen tollen Geruch, sondern eignen sich in getrocknetem Zustand bestens zur Deko.

Mein Zero Waste Adventskranz

Mein Adventskranz ist schon seit Jahrzehnten Zero Waste. Die einzigen Dinge, die ich kaufe (obwohl ich sie selber machen könnte), sind die Kerzen.

Die Basis bildet ein Kranz aus Stroh, den man in vielen Blumenläden kaufen kann. Die Dinger sind nicht ganz billig, halten aber buchstäblich ein Leben lang.

Der Kranz wird mit Tannengrün, Eukalyptus oder anderen immergrünen Pflanzen umwickelt, wobei ich jedes Jahr dieselben Stücke Draht verwende, um das Zeug zu befestigen.

Die Deko ist entweder selbst in der Natur gesammelt oder es handelt sich um natürliche Materialien wie Holz oder Stroh, die man im Bastelladen oder im Blumengeschäft käuflich erwerben kann.

Es muss nicht immer gekauft sein. Mit ein bisschen Kreativität kann man sich tolle Deko selber basteln.

Zero Waste einkaufen – auf dem WeihWochenmarkt

Wenn wir ehrlich sind, ist die Weihnachtsdeko aber nicht das wirkliche Problem. Wer nicht mit dem Klammerbeutel gepudert wurde, schmeisst seine Dekoration nach Weihnachten nicht weg, sondern lagert sie für eines der kommenden Jahre ein. Unser Müllproblem entsteht woanders und das ist beim Einkauf der Lebensmittel und des Zubehörs für das Weihnachtsessen.

Lokale Produkte von heimischen Anbietern

Wer sich im örtlichen Supermarkt eindeckt, hat so gut wie keine Wahl mehr. Von der Gurke bis zur Kokosnuss – alles kommt mittlerweile in einer eigenen Plastikverpackung. Ich gehe daher entweder zum lokalen Bauern (ich habe das Glück, ländlich zu wohnen) oder zum Wochenmarkt in der Stadt. Dort finde ich unverpackte Ware, die idealerweise aus lokalem Anbau stammt. Außerdem gibt es keinerlei Probleme mit meinen mitgebrachten Behältern, sodass selbst lose Produkte wie Oliven frei von Einwegverpackungen zuhause ankommen.

Zero Waste Geschenke – weniger ist oft mehr

Seien wir noch mal ehrlich: Wenn sich jeder von uns hinsetzen und eine Liste mit den Dingen erstellen würde, die wir wirklich brauchen, würde den meisten von uns nach drei, vier Punkten die Ideen ausgehen. Wäre es da nicht viel schöner, etwas geschenkt zu bekommen, das man weder in Papier wickeln noch umtauschen kann? Ein Geschenk, das aus den Gedanken heraus geboren wurde, die sich ein Mensch um dich gemacht hat und das nicht aufgrund reiner Verfügbarkeit gekauft wurde?

Hier sind meine Top-5 Geschenkideen, die man weder anfassen noch verpacken kann:

1. Kurse/Klassen/Seminare

Die meisten Menschen haben ein Hobby, das mehr oder weniger komplex ist und über das es eine Menge zu erfahren gibt. Ich als ambitionierter, aber talentloser Gitarrenspieler kann ein Lied davon singen (der Lage angepasst in e-moll). Kurse, Klassen oder Seminare, entweder online oder real life, sind tolle Geschenke, die nicht nur komplett ohne Verpackung daherkommen, sondern darüber hinaus noch einen echten Mehrwert haben.

Sicher könnte mir meine Frau die x-te Gitarre schenken, aber würde mich das auf lange Sicht weiterbringen? Mir persönlich (und sicherlich auch meinen Nachbarn) wäre viel mehr damit geholfen, einem erfahrenen Blues-Gitarristen auf die Finger zu schauen und von ihm zu lernen, wie man den Blues auf jeder der Gitarren spielt, die ich bereits besitze.

Deine Schwester reist gerne, spricht aber kein Wort Englisch? Dann wäre ein Sprachkursus – online, an der Volkshochschule oder privat – doch das ideale Geschenk. Den 47. Reiseführer, den du ursprünglich bei Amazon bestellen wolltest, kann sie sich zur Not auch selbst kaufen (braucht sie aber nicht mehr, da sie jetzt vor Ort fragen kann – was für ein tolles Geschenk!).

Es müssen nicht immer materielle Dinge sein. Nimm dir ein paar Minuten Zeit und analysiere, was du über die Person weisst, die du beschenken willst. Oft drängt sich das passende Geschenk einem förmlich auf.

2. Gutscheine

Wir alle in haben in unserem Leben Geschenke erhalten, mit denen wir nicht wirklich etwas anfangen konnten und die uns eher kopfschüttelnd zurückliessen. Really, Oma? Ein gelber Pullunder? In xxl?

Wie viel sinnvoller wäre da ein Gutschein von einem Geschäft gewesen, in dem ich gerne einkaufe oder gerne einkaufen würde, mir es aber nicht leisten möchte? Den Wert dieser Gutscheine kann man frei wählen und sich das Ding schließlich per E-Mail schicken lassen oder aufs Smartphone downloaden. Anstelle eines umweltfeindlich verpackten Pullunders hätte ich von Oma eine E-Mail oder eine SMS mit dem Gutscheincode geschickt bekommen. Junge, wie ich mich gefreut hätte.

3. Abonnements

Einem Angler die x-te Angelrute zu schenken, ist nur begrenzt sinnvoll. Die Chance, dass du keinen Plan hast, was der Empfänger deines Geschenks wirklich braucht oder möchte, ist monumental (Ich weiss, wovon ich rede…). Den vorprogrammierten Reinfall kannst du dir ersparen, wenn du zwar thematisch bei der Stange bleibst, gleichzeitig aber ein bisschen um die Ecke denkst.

Bleiben wir bei unserem Angler, der seinen Kram mal schön selber kaufen soll, dann hat er was zu tun. Wir kümmern uns mit unserem Geschenk vielmehr um die Momente, in denen der Petrijünger nichts zu tun hat. Was ist das Zweitschönste gleich nach dem Angeln? Im Winter vor dem Kamin zu sitzen und übers Angeln zu lesen. Ein Jahres-Abonnement seiner Lieblings-Angelzeitschrift ist ein Geschenk, über das sich unser Angler das ganze Jahr über freut, jeden Monat aufs Neue.

Auch spezielle Fernsehsender, Streaming-Kanäle oder Musikportale bieten Abos mit Laufzeiten von einem Monat bis zu mehreren Jahren an.

4. E-Books

Bücher müssen heute nicht mehr aus Papier bestehen. In Zeiten von erschwinglichen elektronischen Lesegeräten können die neuesten Bestseller auch via Datenleitung verschenkt werden. Gleiches gilt für die Tageszeitung, die man sich im Abo auf das Lesegerät ziehen kann. Häufig sind die elektronischen Versionen preisgünstiger als die gedruckte Ausgabe.

5. Zeit

Das mag sich etwas komisch anhören, ist es aber bei näherer Betrachtung gar nicht. Was fehlt einem jungen Elternpaar? Zeit für sich. Warum geht deine Mama nie mehr ins Kino? Weil der Hund nicht alleine bleiben kann. Warum sind deine besten Freunde schon seit Jahren nicht mehr verreist? Weil die ganzen Pflanzen versorgt werden müssen.

Zeit zu schenken, verhilft vielen Menschen dazu, wieder Dinge tun zu können, die sie aufgegeben haben. Schenke deinen Freunden einen unbefristeten Blumendienst, bei dem du dich solange liebevoll um ihre Pflanzen kümmerst, bis sie wieder da sind. Verschenke einen Gutschein über zehn Stunden Babysitten oder Aufpassen auf den Hund deiner Mama.

Zero Waste Verpackungen – originell, kreativ und schön

Wer nicht auf materielle Dinge verzichten kann (weil der Enkel absolut einen gelben Pullunder braucht…), der sollte wenigstens bei der Verpackung auf Müllvermeidung achten. Zu mit Plastik beschichtetem Geschenkpapier gibt es jede Menge Alternativen, die in jedem Fall umweltfreundlicher und in den meisten Fällen auch schöner sind. Hier sind meine persönlichen Top-3:

1. Alte Zeitungen

Eine alte Zeitungsseite in klassischem Schwarz-Weiss ist eine der schönsten Alternativen für mich, um Dinge einzuwickeln. Eine farbige Schleife, die man immer wiederverwenden kann, steht in krassem Kontrast zum blockigen Layout der Zeitung und wird dadurch zu einem echten Hingucker.

Wer in den 364 Tagen vor Weihnachten besonders aufmerksam ist, findet bestimmt sogar eine Seite mit einem Artikel oder einer Werbung, der/die irgendwie zum Beschenkten passt.

Elegant und umweltfreundlich

2. Schachteln, Boxen und Kisten

Gleich nach Zeitungen sind Schachteln, Boxen und Kisten die zweitschönste Form, Dinge dem öffentlichen Auge vorzuenthalten. Abgesehen davon, dass viele auch optisch ansprechend sind, bietet jede Schachtel insofern einen Mehrwert, als dass ich darin aufbewahren kann, was immer ich möchte. Schachteln gibt es in unterschiedlichsten Größen, Formen und Farben und sind für wenig Geld käuflich zu erwerben, wenn man sich nicht die Extramühe machen möchte, sie selber herzustellen.

3. Furoshiki – verpacken mit Tüchern

Das Furoshiki ist eigentlich die Bezeichnung für ein Tragetuch, das schon seit vielen Jahrhunderten zur japanischen Tradition gehört. Gleichzeitig ist es zum Überbegriff einer Verpackungskunst geworden, bei der Geschenke kunstvoll in Tücher eingepackt werden. Wer sich näher über das Furoshiki informieren möchte, wird hier fündig.

Frohe Zero Waste Weihnachten

Jedes Jahr zu Weihnachten produzieren wir Unmengen von Müll. Durch intelligenteres Einkaufen, Schenken und Verpacken kann allerdings jeder seinen Teil dazu beitragen, dass der Abfallberg so klein wie möglich bleibt. Zwar wäre “Verzicht statt Konsum” der beste Weg, um Müll zu vermeiden, mir ist aber auch klar, dass Weihnachten nicht die beste Zeit ist, um mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger daherzukommen.

Wer Gutscheine, Abonnements oder digitale Geschenke verschenkt, reduziert nicht nur erheblich den Verpackungsmüll, sondern erhöht auch seine Chancen, dass sein/ihr Geschenk beim Beschenkten in jeder Form gut ankommt.

Zero Waste Weihnachten ist möglich, wenn man sich ein wenig vorbereitet, mit alten Traditionen bricht und bereit ist, neue Wege zu gehen. In diesem Sinne wünschen wir ein besinnliches Fest und frohe Zero Waste Weihnachten.

6 Kommentare zu „Zero Waste Weihnachten – festliche Müllvermeidung“

    1. Es freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Noch viel mehr freut es mich allerdings, dass du bereit bist, deinen Beitrag für einen saubereren Planeten zu leisten.

      Hab eine schöne Adventszeit 🙂

  1. Vielen Dank für die tollen Ideen – werde ich ab diesem Jahr gleich so anwenden!! 🙂
    Schöne Adventszeit und liebe Grüsse
    Carina

    1. Gern geschehen. Vergiss nicht, mich wissen zu lassen, wie deine alternativen Geschenkideen bei deinen Lieben angekommen sind.

      Hab eine schöne Adventszeit 🙂

  2. Ich verwende seit Jahren die gleiche Deko, die ich mal von meinem Vater erhalten haben. Tannenzapfen aus dem Wald und getrocknete Zierkürbisse, die er selbst bemalt hat. Wozu Deko kaufen, die noch in einer Tonne von Plastik eingepackt ist.
    Danke für den tollen Tipp mit dem Zeitungspapier; werde meine Päckli dieses Jahr auch so einpacken, sieht super aus.

    1. Das ist ja witzig! Die meiste Deko für meinen Adventskranz haben wir als Familie bei diversen Waldspaziergängen gesammelt. Jedes Mal, wenn ich den aufhänge, beginnt für mich eine Reise in die Kindheit mit all ihren Erinnerungen. Halte deine Deko in Ehren 🙂

      Das Einpacken in Zeitungspapier ist todschick, oder? Viel eleganter kann man es eigentlich gar nicht aussehen lassen und das sagt nicht der Journalist in mir 🙂

      Hab eine schöne Adventszeit und möglichst müllfreie Weihnachten.

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